Gedanken

 

Danke, verrücktes Mädchen

Am achtzehnten Tag des siebten Monats des letzten Jahres - des Jahres 2009 - hatte ich großes Glück, da ich einem verrückten Mädchen begegnete. Ich irrte irritiert durch die Straßen Babylons, verlief mich in Sodom; Inspiration suchend; keine findend - das Gift dieser Städte war bereits in mir - ehe ich sie fand, und ihr schließlich den ersten Brief schrieb und sie schrieb mir und so rettete sie mich, denn sie hatte das Gegengift und führte mich zurück auf jenen alten Pfad, welchen ich vor langer Zeit verloren hatte. Nur durch sie - das verrückte Mädchen - konnte ich Babylon verlassen und wieder schreiben. Ich schreibe nun an sie denkend, mich wieder eines klaren und frischen Geistes erfreuend.

 

Viele Worte schrieb ich dem verrückten Mädchen.

»Weißt Du, in der linken Hand halte ich einen Spiegel - von mir weg zeigend - in der rechten halte ich einen Stift - das Papier berührend. Ich bin bloß ein Spiegel unserer Gesellschaft und manchmal bin ich mir nicht sicher, ob ich hier in Babylon oder in Sodom bin.«

»In Sanskrit heißt es "sarvam khalvidam brahma" - wahrlich, alles ist Brahman.«

Ich berichtete ihr von mir und den Babylonischen Mädchen: »Indra ist der Gott der Himmel und der Sinne. Er ist schrecklich eifersüchtig. Wann immer ein Mensch an der Schwelle der Erleuchtung steht, schickt er ihm Apsaras, Visionen von schönen Frauen, um ihn abzulenken.« Doch sie - das verrückte Mädchen - ist die erste welche ich sehe, die keine Apsara ist, sondern Muse - sie ergänzt mich, vervollständigt mich, zeigt mir wie ich sein sollte, sein kann - sie ist der Herzschlag meiner Gedanken, dieser Worte. »Ich habe Dich als ein ganz besonders Mädchen hier kennen gelernt. Als eine unter tausend. Als eine, der es sich lohnt zurück zu schreiben. Wahrscheinlich, wärst Du sogar der Verführung Wert.«

»Ich habe häufig Alkohol getrunken, um meiner Gedanken zu entfliehen, meinen Kopf abzuschalten. Um ehrlich zu sein, ist dies seit ich Dich [...] kenne [...] nicht mehr nötig. Du inspirierst mich, Du bist mir Muse, Du halfst mir meine Gedanken an das Schlechte dieser Welt auf andere Dinge zu lenken. Vielleicht hast Du mich berauscht, doch auf eine angenehmere, eine tiefgründigere Weise, als es die Droge Alkohol in ihren kurzen Momenten des Rausches tut. Du verführtest mich, mich wieder mit mir selbst auseinander zu setzen und erinnerst mich daran, wer ich bin, was ich kann und was ich tun muss.«