Marcel Stawinoga
Ein Blick, zwei Augen: Der Moment und Mädchen

 

Grün, gelb, blau, rot.
Ein Mädchen. Ein Blick, zwei Augen: Der Moment.
Eine Flasche. Weiße Blitze, ein hellblauer Strahl. Rhythmus.

Ein Tisch, Füße, Gesichter, Wände. Eine Tür, ein Waschbecken.

Kaltes Wasser.


Er erhob sich vom Waschbecken. Sein Blick fiel in den Spiegel. Die Frisur lag nicht mehr wie gewollt. Überhaupt sah er sehr seltsam aus.
Doch dies war für ihn nicht von Bedeutung, denn er fühlte sich dorthin zurückgezogen wo er herkam. So verließ er das WC.
Ein schmaler Gang führte ihn in einen großen Raum. Seiner links befand sich eine Tanzfläche, vor ihm eine Bar.
Bunte Strahlen und Lichter flogen durch den Raum, während Lautsprecher mit tiefem Bass unterlegte Musik in den Raum warfen.
Ihm bot sich ein harmonisches Bild: Jene, die nicht eng umschlungen ihre Körper zum Rhythmus bewegten, saßen redselig am Tresen. Scheinbar ein jeder amüsiert.
Da entdeckte er das Mädchen. Es war jener Blick, dieses Augenpaar, das ihn an den Moment erinnerte.
Sie lächelte. Er musterte ihre Umgebung. Allein saß sie dort, auf einem Barhocker am Tresen.
Sie war eine von vielen und doch schien sie der Mittelpunkt des Geschehens zu sein.

Die anderen verschwanden.
Stille.
Er ging auf sie zu.
Es gab nur sie. Nur sie und ihn.
Er ging weiter.
Ihr Blick hatte seinen gefangen und der seine den ihren.
Nun stand er vor ihr. Unmittelbar vor ihr. Er glaubte ihren Atem wahrzunehmen, ihren Brustkorb, wie er sich rasch weitete und ebenso rasch wieder zusammenzog.

»Ey!«

Die anderen kehrten zurück.
So auch die Musik.

»Ey! Ich rede mit dir!«

Neben dem Mädchen stand ein junger Mann. Wut war die Botschaft die sein Gesichtsausdruck verkündete.

»Bist du taub?«

Verwirrt und zugleich erschrocken sah er in das Gesicht des jungen Mannes.

»Das ist meine Freundin. Starr sie nicht so an!«

Der junge Mann fasste die eine Hand des Mädchens und zog sie vom Barhocker.

Und da war jener Moment zurückgekehrt, jener in welchem sich ihre Blicke trafen, in welchem die anderen verschwanden und ein Augenblick der Stille herrschte.

»Es tut mir Leid.« sprach sie in einer zurückhaltenden, gar beschämten Art und Weise.

Der junge Mann zog sie weg.
Da kehrten die anderen zurück.
So auch die Musik.

Er schaute ihnen nach und erst als sie in den Tiefen des Raumes verschwunden waren, wandte er seinen Blick zur Bar ab, wo der Barmann ihn bereits erwartete.

»Die, die in Beziehungen gefangen sind,
können sich dann nicht lösen, wenn der Eine kommt.« so der Mann hinter dem Tresen.

»Habt ihr auch Cocktails mit kleinen Sonnenschirmchen?«

Der Barmann nickte und kurz darauf hatte sein Gegenüber das erste Glas in der Hand.

Gin Fizz.

Er leerte das Glas.

Hemingway.

Sherry Flip.

Wärme. Euphorie. Weiße Blitze, ein hellblauer Strahl.

Tom Collins.

Hoch, Rhythmus.
Drang. Theke.

Rob Roy.

Black Velvet.

Ein Tisch, Füße, Gesichter, Wände. Eine Tür, Fliesen, eine weiße Kabine.
Porzellan.